Jüdische Bauwerke in Ottensoos

Die Gemeinde Ottensoos hat ein weit zurückreichendes jüdisches Erbe. Auch heute sind noch mehrere Bauwerke und Wohnhäuser übrig. Viele der ehemaligen Judenhäuser wechselten nach dem Krieg zwar die Besitzer, aber ein beachtlicher Teil der jüdischen Dorfstruktur ist noch erhalten. Umso wichtiger ist die Bedeutung des Ortes für die Geschichte der jüdischen Landbevölkerung um Nürnberg.

Echtes "Highlight" ist die große Ottensooser Synagoge am Dorfplatz 5. Etwas versteckt und inzwischen von vielen Seiten umbaut, ist die Synagoge leider nicht sehr gut in ihrer Gesamtheit einsehbar. Der L-förmige Bau wurde im Jahre 1872 errichtet, nachdem die alte Synagoge einem Brand zum Opfer fiel. In der Pogromnacht von 1938 zerstörten Nationalsozialisten die Inneneinrichtung. Die äußere Bausubstanz ist jedoch noch völlig erhalten. Auch im Inneren sind noch Spuren der ehemaligen Nutzung zu erkennen. Leider war mir ein Besuch der Innenräume bisher noch nicht möglich. Aus diesem Grund stammen die folgenden Informationen von Israel Schwierz [169]:

"Ahron Hakodesch innen und außen sichtbar; Tonnen- gewölbe unter Dach erkenn- bar, im Schulgebäude zwei Türen mit Spuren der Mesuse zu erkennen; Überreste der Mikwe erkennbar."

links:
Abbildung einer alten Mesusa in einem Wohnhaus [170]

Das Gebäude wurde nach dem Krieg im Inneren umgebaut und Wohnungen entstanden in den Räumlichkeiten. Dabei blieben die Originalfenster und -türen erhalten. Im Jahr 2003 wurden die Wohnungen aufgegeben. Seitdem steht das Gebäude leer und dient als steinernes Denkmal.


Das Gebäude beherbergte neben der Synagoge auch eine Schule mit Lehrerwohnung und die bereits erwähnte Mikwe, also das rituelle Bad. Eine Mikwe muss stets mit natürlichem, fließendem Wasser gespeißt werden, z.B. aus Quellen oder Flüssen. Nur dann ist eine Reinigung nach den religiösen Vorschriften gewährleistet.

Teilansicht der Synagoge mit Gedenktafel [171]

An der südlichen Außenseite ist eine Gedenktafel angebracht und gelegentlich finden hier Kranz-Niederlegungen statt
(siehe auch: Gedenkstätten).

Die südliche Giebelseite ist mit einem unauffälligen, aber schönen Schmuck verziert. Der Eingang zur Synagoge befand sich an der östlichen Giebelseite. Der Eingang zur Lehrerwohnung trägt noch die frühere Hausnummer 59.


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[169]
Quelle: Israel Schwierz, "Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern", 1. Auflage, München, 1988, S. 173

[170]
http://www.dioezese-linz.at/pastoralamt/bibelwerk/neueseiten/et-nt/et1/et18.htm

[171]
Quelle: JiNL, Thomas Schlick, 2006, Weiterverwendung auf Anfrage