Die jüdische Gemeinde in Ottensoos

Ottensoos liegt idyllisch zwischen Nürnberg und Hersbruck, rund 29 Kilometer von Nürnberg entfernt. Von der Bundesstraße aus kann man bereits den auffälligen Kirchturm von St. Veit erkennen.

Bereits ab dem Mittelalter ist eine jüdische Gemeinde in Ottensoos nachweisbar, vermutlich bereits seit der Zeit um 1531. Aufgrund der Pogrome 1499 in Nürnberg und der damit verbundenen Ausweisung aller Juden aus der Stadt, könnten aber bereits früher Juden in Ottensoos gelebt haben.

Blick auf die Ottensooser Synagoge vom Dorfplatz aus [164]


Teilweise stellten die jüdischen Bürger bis zu einem Drittel der Bevölkerung und viele von Ihnen nannten sich nach ihrer Heimatstadt "Ottensooser". Ihre berufliche Perspektive fanden etliche Juden im Vieh- und Hopfenhandel [165].

Die Ottensooser Gemeinde stand wie Forth, Schnaittach und Hüttenbach im Mittelalter unter der Herrschaft der Rothenberger. Zusammen mit diesen Orten bildete sich der Verband "Medinat Oschpah" mit einem gemeinsamen Friedhof in Schnaittach.
Um diese Begräbnisstätte gab es jedoch immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinden [166].

1698 wird die Ottensooser Synagoge erstmals urkundlich erwähnt. Sie verfügte vermutlich auch schon über eine eigene Mikwe (= Ritualbad). Allerdings zerstörte ein Brand im Jahre 1871 die alte Synagoge vollständig.

Auf diesem Platz errichteten die Ottensooser Juden kurz darauf eine neue Synagoge, die bis ca. 1938/39 genutzt wurde. Bald nach dem 1. Weltkrieg war das friedliche und harmonische Zusammenleben von Christen und Juden aber beendet. Eine Ortgruppe der NSDAP gründete sich und übernahm 1933 den Gemeinderat. Nun wehte den Ottensooser Juden ein eisiger Wind des Hasses entgegen [167]. Die anhaltende Hetze entlud sich schließlich im Jahre 1938. In der sog. Reichspogromnacht am 9. November 1938 stürmten Nationalsozialisten den Sakralbau, entwendeten alle Ritualien und zerstörten das Mobiliar völlig.


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[164]
Quelle: JiNL, Thomas Schlick, 2006, Weiterverwendung auf Anfrage

[165]
Quelle: Wikipedia, http://www.wikipedia.de/ottensoos

[166]
Quelle: Homepage der Alemannia Judaica (Schnaittach - Jüdische Friedhöfe), http://www.alemannia-judaica.de/schnaittach_friedhof.htm

[167]
Quelle: Basisinformationen von der Homepage der Gemeinde Ottensoos, http://www.ottensoos.de/ottens/geschichte.htm