Das Judentum in Reichenschwand

Der kleine Ort Reichenschwand liegt etwa auf halbem Wege zwischen Lauf a.d.P. und Hersbruck unterhalb des Großen Hansgörgel, der mit seinen 601 Metern imposant über dem Städtchen aufragt. Über die frühe Geschichte des Ortes ist nur wenig bekannt. Der Begriff "Schwand" leitet sich von "Schwenden" ab. Das Schwenden bezeichnet die Gewinnung von Ackerland durch das Ausräumen von Unterholz. [250]

Urkundlich erwähnt wird "Reicholswant" im Jahre 1225. Ob bereits seit dieser Zeit Juden im Ort lebten, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass zumindest einige Juden vor 1515 in Reichenschwand ansessig waren. So ist bei A. Müller [251] zu lesen:

"Der Besitzer des Schlossgutes Reichenschwand, Hans von Seckendorf, hatte in seinem Dorfe Juden aufgenommen und wollte sie auch behalten. 1515 zog der [ Nürnberger, Anm. von JiNL] Rat Erkundigungen bei seinem Ratskonsulenten ein, ob die Stadt berechtigt sei, die Juden aus Reichenschwand zu vertreiben, und da das Gutachten dies bejahte, tat er dies auch."

Dies ist der einzig bekannte Nachweis über Juden in Reichenschwand. Weder für die Zeit vor 1515 noch für die Jahre danach konnten Belege für eine jüdische Dorfgemeinschaft ermittelt werden. Auch ist der Ursprung dieser kleinen Gemeinde nicht klar, liegt aber wohl im Nürnberger Pogrom von 1499.


Die Juden in Reichenschwand hatten wohl alleine schon wegen ihrer geringen Zahl nicht den Status einer Israelitischen Kultusgemeinde. Der Ort hatte um das Jahr 1500 nur 11 Anwesen mit 25 Personen über 15 Jahren [252], die Zahl der jüdischen Bürger dürfte also entsprechend klein gewesen sein und lag wohl deutlich unter zehn Personen. Zehn erwachsene Männer sind übrigens das Minimum für das Zustandekommen eines jüdischen Gottesdienstes. Daher kann wohl auch das Vorhandensein religiöser jüdischer Bauwerke (also v.a. Synagoge und Mikwe) ausgeschlossen werden. Sicherlich war es üblich, den Gottesdienst in den umliegenden Gemeinden zu feiern.

Auch über Beruf, Stand, Abgaben und Lebensweise der Reichenschwander Juden ist leider nichts überliefert - vermutlich war ihre Aufenthaltsdauer im Ort auch viel zu kurz. Sollten es wirklich Juden gewesen sein, die 1499 aus Nürnberg kamen, wurden sie bereits 16 Jahre später wieder vertrieben. Ihr weiterer Weg lässt sich aber nicht mehr nachvollziehen, doch denkbar ist, dass sie Zuflucht in den Gemeinden der Medinath Ashpah fanden.



[250]
Quelle: Homepage der Gemeinde Reichenschwand mit umfangreicher Darstellung der Geschichte
http://www.reichenschwand.de/alt-rei-folder/blingesc.htm (Seite ist ein Frame der Homepage)
http://www.reichenschwand.de/alt-rei-folder/default.htm > Alt-Reichenschwand > Ein Blick in seine Geschichte (komplette Seite mit Navigation)

[251]
Quelle: Arndt Müller, Geschichte der Nürnberger Juden 1146-1945, Selbstverlag d. Stadt Nürnberg, 1. Auflage, 1968, Seite 99

[252]
Quelle: Homepage der Gemeinde Reichenschwand
http://www.reichenschwand.de/alt-rei-folder/entwickl.htm (Seite ist ein Frame der Homepage)
http://www.reichenschwand.de/alt-rei-folder/default.htm > Das Dorf Reichenschwand > Entwicklung (komplette Seite mit Navigation)