Das Judentum in Altdorf

Die jüdische Geschichte der Stadt Altdorf ist undurchsichtig. Man muss bedenken, dass Altdorf eine zentrale Bedeutung im Nürnberger Land hatte - war der Ort doch von 1622 bis 1809 Universitätsstadt mit hervorragendem Ruf. Eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten studierten in Altdorf. So etwa Wallenstein (kaiserlicher General im 30-jährigen Krieg), der Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz, der Naturforscher Johann Jacob Baier oder der Historiker und Orientalist Johann Christoph Wagenseil.

Altdorf lag zudem auch relativ verkehrsgünstig zwischen Nürnberg und Neumarkt und war somit ein attraktiver Standort für Händler.

Diese Faktoren würden letztlich für die Ansiedelung jüdischer Bürger sprechen, dennoch gibt es keine Hinweise auf eine israelitische Gemeinde in der Stadt. Der Grund hierfür könnte zumindest ab 1504 die Stadt Nürnberg sein, deren Truppen Altdorf zu diesem Zeitpunkt einnahmen. Da auch im Nürnberger Stadtgebiet zu dieser Zeit keine Juden leben durften, ist es denkbar, dass die Reichsstadt dieses Verbot auch auf Altdorf ausweitete.

In seinem Buch erwähnt Israel Schwierz auch die Stadt Altdorf bei Nürnberg. Nach Schwierz Angaben erteilte ihm das Stadtarchiv in Altdorf die Auskunft, dass "zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde in Altdorf bestanden hat" [062]. Lediglich die Platzbezeichnung "Am Judenbühl" ist überliefert.


"Der Name [Am Judenbühl] wurde von einem Historiker des 18. Jahrhunderts namens Georg Andreas Will, so erklärt, dass einer jüdischen Familie namens Symelin im 14. Jahrhundert ein Wohnrecht in verschiedenen Orten, darunter auch Altdorf, verbrieft wurde, die Familie zog aber nicht nach Altdorf. Trotzdem behielt der dafür vorgesehene Platz seinen Namen."
Aus I. Schwierz, "Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern" [062]

Für wenige Monate lebte mit Issachar Perlhefter ein in Europa bekannter Rabbi und Autor in Altdorf. Er hatte jedoch keine Absichten in Altdorf sesshaft zu werden und wohnte nur vorübergehend bei seinem Freund Wagenseil. Nach wenigen Monaten zog Perlehefter vermutlich zu seiner mittlweile in Schnaittach lebenden Familie.

Mit Perlhefter und seinem Werdegang befasst sich der Potsdamer Koordinator des Zentrum für Jüdische Studien, Nathanael Riemer. Ihm ist ein vollständiger Werdegang des großen Gelehrten zu verdanken.



[062]
Quelle: Israel Schwierz, "Steinerne Zeugen jüdischer Vergangenheit", Hrsg. Bayer. Landeszentrale f. pol. Bildung, 1. Auflage, München, 1988, S. 143