Die jüdische Gemeinde in Hüttenbach

Nach dem Ersten Weltkrieg erfasste ein neuer Antisemitismus Deutschland. Die Juden wurden für die Niederlage des Deutschen Reichs verantwortlich gemacht. Zahllose Juden hatten tapfer für Deutschland gekämpft und kamen vielfach hoch dekoriert aus dem Krieg nach Hause. Eine große Zahl blieb auch im Feld und dennoch schlug ihnen Hass und Ablehnung entgegen.

Doch Hüttenbach war hier eine Oase des friedlichen Miteinander. Bis zum 9. November 1938 gab es keinerlei Übergriffe oder Pogrome gegen die Juden im Ort. Im Gegenteil! Nur selten war eine derartige Eintracht zwischen Juden und Christen zu beobachten.

Der Erforscher der jüdischen Geschichte Hüttenbachs, Christian Guthmann, erzählt von gemeinsamen Festen, wie Kirchweih, Fasching und Theater. An Fronleichnam gingen die Hüttenbacher Juden festlich gekleidet zur Prozession, während Christen an hohen jüdischen Feiertagen die Synagoge besuchten [082]. Und der Gesangsverein "Frohsinn" hatte sogar ein Lied namens "Sabbatfeier" von Franz Abt im Repertoire [083]. Viele Juden hielten ihrem Verein über Jahrzehnte die Treue.

Rückwirkend betrachtet erscheint uns Hüttenbach heute fast wie ein Paradies respektvollen Zusammenlebens zwischen Juden und Christen. Sogar die Mame-Loschn, also das Jiddische, war häufig im Ort zu hören. Hier waren die Juden wirklich Deutsche jüdischen Glaubens.


Doch der pathologische Rassenwahn der Nationalsozialisten machte auch vor Hüttenbach nicht halt. Mehr als 500 Jahre jüdischer Geschichte wurden innerhalb kürzester Zeit vernichtet. Agitation und Judenhass kamen aber nicht aus Hüttenbach, sondern wurden vor allem durch auswärtige SA-Angehörige verbreitet. Sie zogen beispielsweise vor den jüdischen Geschäften auf und hinderten Kunden am Betreten der Läden. Diese Trupps aus Lauf a.d.P. waren es auch, die am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, die Synagoge anzündeten.

Aber auch in dieser schweren Zeit halfen die Hüttenbach "ihren" Juden, mit denen sie so lange so vieles teilten. Sie versorgten sie heimlich mit Nahrungsmitteln und versuchten bis zuletzt die Synagoge zu retten. Doch alle Mühe blieb vergebens - letztlich konnte nicht verhindert werden, dass am 28. November 1938 die NS-Funktionäre verkündeten: "Hüttenbach ist judenfrei". [084]

Heute leben in Hüttenbach keine jüdischen Bürger mehr. An der Stelle in der Haunachstraße, wo einst die Synagoge stand, ist heute eine Gedenktafel angebracht.

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[082]
Christian Guthmannn, Maria Guthmann: Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Hüttenbach
in: Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken (JbHVMittelfrk), Band 96, Ansbach, 1992/93, S. 143-196

[083]
Quelle: Homepage des Gesangsvereins "Eintracht" Hüttenbach 1893 e.V.
http://www.mgv-huettenbach.de/gruendung.htm

[084]
Quelle: Daten, Zeitangaben und Namen aus einem Artikel der Pegnitz-Zeitung (Nummer 260), 9. November 1988
umgeschrieben für "Die jüdische Gemeinde in Hüttenbach" von Thomas Schlick