Die jüdische Gemeinde in Hüttenbach

Hüttenbach liegt rund sieben Kilometer von Schnaittach entfernt. Der kleine Ort hat etwa 3300 Einwohner und gehört zur Gemeinde Simmelsdorf. Zu Simmelsdorf zählt auch der Ortsteil Judenhof, der ehemals zur selbständigen Gemeinde Utzmannsbach gerechnet wurde. 1140 taucht der Name Hüttenbach erstmals urkundlich auf.

In Hüttenbach siedelten sich schon früh jüdische Bürger an. Bereits vor 1431 lebten vermutlich Juden in Hüttenbach - zumindest wird ein Jude namens Most erwähnt.

Doch schon ein paar Jahrzehnte später zogen immer mehr Juden nach Hüttenbach. Der Grund für diesen Zuzug liegt in der Herrschaft der sog. Ganerben von Rothenberg. Diese Gemeinschaft war ein Zusammenschluss von 44 Rittern, die 1478 Burg und Herrschaft Rothenberg vom Pfalzgrafen Otto II. von Mosbach. Mehr als 200 Jahre herrschten die Ganerben über das Gebiet um Schnaittach [080].

Während überall im Lande die Juden aus ihren angestammten Gebieten durch mörderische Pogrome vertrieben wurden, erteilten die Ganerben den Juden das Bleiberecht in ihrem Herrschaftsgebiet. Dieses Recht mussten sich die Juden jedoch mit hohen Abgaben und Schutzzahlungen teuer erkaufen. Schon bald nach Ansiedlung der Juden in die Gemeinden der Herrschaft Rothenberg war der wirtschaftliche Aufschwung zu spüren.

Besonders erwähnenswert sind die Herren Lochner von Hüttenbach. Nachdem sie Grundherren der Gemeinde wurden, stieg der Anteil der jüdischen Bevölkerung deutlich an. Auch wenn die Überlegungen der Lochners wiederum rein finanzieller Natur waren, so schützten sie die Juden vor der Zwangsausweisung, die der bayerische Kurfürst angeordnet hatte. Die Juden waren die wichtigste Geldquelle der Herren Lochner.


Da, wie überall, die jüdische Bevölkerung kein Handwerk ausüben durfte, blieben letztlich nur der Handel und das Zinsgeschäft übrig. So machten die Juden Geschäfte im gesamten Umland und weiter entfernten Regionen. Handel war die Domäne der Hüttenbacher Juden, während die Schnaittacher Juden eher dem Finanzwesen zugetan waren. Hans Georg Lochner von Hüttenbach, beispielsweise, schuldete einem Schnaittacher Juden zu Beginn des 17. Jahrhunderts 5000 Gulden - eine riesige Summe.

In den Folgejahren des 17. und 18. Jahrhunderts nahm der Anteil der jüdischen Bevölkerung immer weiter zu. 1725 waren 210 Juden dort ansässig und 1831 ist von 380 Personen die Rede.

In ihrer Blütezeit entwickelte die jüdische Gemeinde auch ein reiches religiöses und kulturelles Leben. Zwar existierte schon seit 1619 eine Synagoge, doch am 4. Oktober 1844 konnte man ein neues Gotteshaus einweihen. Dieses Ereignis wurde von viel Lokalprominenz beider Hauptreligionen begleitet. Von 1827 an verfügte Hüttenbach offiziell über eine jüdische Volksschule mit eigenem Lehrer. Zwar riss man 1882 das Schulhaus wegen Baufälligkeit ab, aber schon kurz darauf fand sich ein neues Gebäude. 1919 musste allerdings auch diese Unterrichtsstätte wegen Geldmangels geschlossen werden.

Überhaupt setzte im 19. Jahrhundert ein spürbarer Rückgang der jüdisch-gläubigen Bevölkerung ein. Das Judenedikt von 1813, wonach sich Juden überall im bayerischen Herrschaftsgebiet niederlassen durften, zeigte seine Wirkung und immer mehr Menschen zogen in die größeren Städte oder nach Amerika. Auch die damit verbundene Abwanderung von Kapital machte der jüdischen Gemeinde schwer zu schaffen. 1910 lebten nur noch etwa 60 Juden im Ort. [081]


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[080]
Quelle: "Schnaittach und seine Landschaft", F. Schnelbögl, Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft e.V., Band XX/1971, Reprint 1984, S. 19f

[081]
Quelle: Daten, Zeitangaben und Namen aus einem Artikel von Lorenz Baumann in der Pegnitz-Zeitung vom 25. November 1995
umgeschrieben für "Die jüdische Gemeinde in Hüttenbach" von Thomas Schlick