Jüdische Bauwerke in Forth - Andere Gebäude

Viele jüdische Familien in Forth hatten eine lange Traifition und lebten bis zu Ihrer Deportation bzw. Auswanderung in Forth. Bis in die 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts hinein war das Zusammenleben zwischen Christen und Juden auch durchaus von gegenseitigem Respekt geprägt. So ist auch festzuhalten, dass viele Gebäude völlig legal den Besitzer wechselten und beileibe nicht alle Häuser "arisiert" wurden!

Im 19. Jahrhundert setzte jedoch eine Landflucht ein, die zum Rückgang der Bevölkerungszahlen führte. Wohlhabende Familien zogen in die nun endlich wieder offenstehenden Städte und suchten dort ihr Glück. Sie verkauften oder übereigneten ihre Häuser an christliche Nachbarn. Zurück blieben oftmals verarmte orthodoxe Landjuden.

Dennoch gab es in Forth noch lange Zeit eine funktionierende Gemeinde mit Schule, Synagoge und Mikwe. Zudem war ein Armenhaus (Hausnummer 15) im Besitz der Gemeinde. Dieses Gebäude schloss sich in nördlicher Richtung an die Synagoge an. Auch eine ganze Reihe Häuser war in Privatbesitz der Forther Juden - einige der Gebäude sind noch heute erhalten. So befand sich beispielsweise in der Martin-Luther-Straße 12 das Haus der Familie Schnaittacher. Auch in der Kurt-Schuhmacher-Straße 2 ist noch das Haus der "Tuch- und Schnittwaarenhandlung C. Schwarzhaupt" zu finden. Das Büger Schloss wurde als jüdisches Kinderheim genutzt.

Einen Wendepunkt in Bebauungs- und Siedlungsgeschichte markiert natürlich das Jahr 1938, als auch die letzten jüdischen Familien Forth verlassen mussten. Nur die Gräber Ihrer Vorfahren auf dem Schnaittacher Friedhof erinnern noch an diese Menschen.


Das bekannteste Gebäude ist sicher das erwähnte Schwarzhaupt-Haus, aber auch das Haus der Familie Schnaitteracher ist noch erhalten. Vor diesem Gebäude steht nun die Stele zum Gedenken an die Forther Juden. Das Schnaittacher Haus hat aber noch eine andere Geschichte: Im Hinterhof wurde z.B. Schnaps gebrannt, wie Albert Kimmelstiel bei seinem Besuch fast beiläufig erwähnte. Außerdem wurde im Sommer 2009 ein 4 x 4 x 1 m großer Raum entdeckt, der bis zur Hälfte mit Hopfendolden angefüllt war. Eine im Untergrund des Hauses vermutete Mikwe konnte trotz intensiver Suche und Grabungen nicht nachgewiesen werden.

Auch die Schule steht noch und wird als Wohnhaus genutzt. Hier ist auch die letzte erhaltene Mikwe zu finden. Leider ist dieses Ritualbad inzwischen überbaut, aber im Untergrund noch erhalten. Eine kleine Senstation stellt auch das Auffinden der Mesus der Schule dar. Bei der Mesusa handelt es sich um einen Segen aus dem 5. Buch Mose, der üblicherweise in einem kleinen Behälter am Türstock angebracht wird. Der Behälter ist leider nicht mehr erhalten, dafür aber das Pergament mit dem Segen.

Auf der Folgeseite können Sie Abbildungen der Mesusa bzw. des Pergaments sehen.

Der Haussegen befindet sich inzwischen in der Obhut des evangelischen Gemeindepfarrers. Es ist tatsächlich das einzige bekannte Zeugnis jüdischen Lebens und Brauchtums in Forth.

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