Die jüdische Gemeinde in Forth

Die jüdische Gemeinde in Forth strebte nun ihrem Blüte entgegen. Für den Anfang des 19. Jahrhunderts listet Magnus Weinberg [019] diese Berufe Forther Juden auf:

7 Viehhändler
2 Schnittwarenhändler
1 Landesproduktenhändler
1 Geldhändler
7 Händler ohne genaue Bezeichnung
4 Metzger
3 Webmeister
2 Tagelöhner
1 Cigarrenmeister

1830 lebten in Forth 225 Juden, was 36% der Gesamtbe- völkerung entsprach. Dies war auch der zahlenmäßige Höhepunkt [020]. An dieser Stelle sei erwähnt, dass man im Jahre 1754 für kurze Zeit 35 jüdische und 30 christliche Familien zählte.

Das Verhätnis zwischen Christen und Juden kann wohl als gut bechrieben werden. Judenhäuser, Schule, Synagoge, rituelle Bäder und ein Rindermetzger zeugen von einer jüdischen Gemeinschaft, die im Großen und Ganzen akzeptiert wurde und in der Mitte der Gesellschaft angekommen war.

Nach 1850 nahm die Zahl der Juden kontinuierlich ab. Das lag vor allem daran, dass nun auch in den großen Städten, so etwa Nürnberg, wieder Juden sesshaft werden durften. Eine massive Abwanderung setzte ein, die jüdische Gemeinde verwaiste zusehends. Von diesem Exodus waren letztlich alle jüdischen Landgemeinden betroffen. Zurück blieben die orthodoxen und armen Juden, denen es nicht möglich war, den Ort zuverlassen. Diese Verarmung der Landjuden lässt sich praktisch in allen Gemeinden rund um Schnaittach nachweisen. Viele von ihnen hatten kaum das Nötigste zum Überleben.


Wie sehr die Forther Juden mit ihrem Ort und der Bevölkerung verbunden waren, zeigen die vielen Geschichten und Anektoden, die u.a. vom Forther Heimatforscher R. Lischewski zusammen getragen wurden. Er schildert aber nicht nur die netten und liebenswerten Begegnungen, sondern auch die üblen Beleidigungen und Anfeindungen, denen die Juden ab 1933 ausgesetzt waren.

Das Ende der Forther Kultusgemeinde läutete Hitlers Machtergreifung ein. 27 der noch im Ort verbliebenen Juden wanderten aus - vermutlich vorrangig in die USA. Ihr weiterer Werdegang ist jedoch weitestgehend unbekannt. So waren im Januar 1938 nur noch 15 Juden (andere Quellen sprechen von 13 bzw. 17 Personen) übrig. Im Einzelnen waren dies die Familien Wassermann, Ehrlich, Kohlmeier, Schön, Kimmelstiel und Schnaittacher [021]. Entsprechende Familiengräber sind heute noch auf dem jüngsten der Schnaittacher Friedhöfe zu finden.

Grabstein von Salomon Schnaittacher aus Forth [022]

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[019]
Quelle: Magnus Weinberg, "Geschichte der Juden in der Oberpfalz III, Der Bezirk Rothenberg", S. 49, Sülzburg 1909 im Selbstverlag

[020]
Quelle: Held, W. "Die Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Forth", Büttner Verlag 1979, S. 26

[021]
Quelle: Ophir, B.Z. und Wiesemann, F., "Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung." Oldenbourg Verlag, München und Wien 1979

[022]
JiNL, Thomas Schlick, 2008, Weiterverwendung auf Anfrage