Die jüdische Gemeinde in Forth

Die einträglichste Einnahmequelle der Obrigkeit war aber der so genannte Schutzbrief. Dieses Dokument sagte den Juden einen verbrieften Schutz durch die Herrschaftshäuser und ein Bleiberecht zu - doch häufig bestand diese Garantie nur auf dem Papier. Anfänglich wurde der Brief alle drei, später alle 15 Jahre neu ausgestellt.

Die Forther Juden hingegen beteiligten sich lange Zeit nicht an den jährlich Zahlungen für den Schutzbrief, genossen aber die gleichen Rechte, wie ihre Glaubensgenossen in den anderen drei Gemeinden. Als die übrigen Gemeinden der Medinat Ashpah die bayerischen Herrscher 1750 auf diesen Missstand aufmerksam machten, dauerte es dennoch bis 1777 ehe Forth in die Abgaben einbezogen wurde. Die Juden auf der Nürnberger Seite weigerten sich jedoch weiterhin, den Bayern Zahlungen zu leisten, entrichteten die Schutzgelder aber an die Herren von Binau [236].

Eine wohl einmalige Sache war, dass die Herren von Binau von den Forther Juden die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 200 Gulden einforderten. Das Haus Binau kassierte für dieses Darlehen Zinsen in Höhe von zehn Prozent. Binau wollte aber auch aktiv die Geschicke in der jüdischen Kultursgemeinde von Forth steuern und zu seinen Gunsten umformen. So entließ Binau 1724 seinen Hofjuden Abraham Nathan Bick ohne Begründung. Bick wollte dies nicht auf sich beruhen lassen und erstattete von sicherem Nürnberger Boden aus Bericht über die dubiosen Geldgeschäfte Binaus. Doch Binau erklärte den Behörden, dass er nur dem Kaiser Rechenschaft schuldig wäre und somit verliefen die Ermittlungen im Sande [016].


1724 entstand die Forther Synagoge. Auch eine jüdische Schule existierte lange Zeit gleichberechtigt neben den Schulen der beiden christlichen Konfessionen [017].

Nachdem mehrere Versuche fehlschlugen, eigene Gefolgsleute in der jüdischen Gemeinde unterzubringen, wollte Binau die Juden auf der Nürnberger und der bayerischen Seite entzweien. Er versprach den "Nürnberger" Juden einen eigenen Friedhof und einen eigenen Gottesdienst, da die Synagoge bayerisch war. Daraufhin entwendeten Juden der Nürnberger Seite zwei Thorarollen aus der Forther Synagoge, was zu einem heftigen Streit zwischen den Fraktionen führte. Doch auch dieser Zwist blieb letztlich folgenlos - die Toten wurden weiterhin auf dem Schnaittacher Friedhof beerdigt und der Gottesdienst fand immer noch gemeinsam statt [018].

1790 verkauft der Ritter von Binau das Dorf an die Freifrau von Eglofstein - nicht ohne eine gewisse Erleichterung in der Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt lebten ca. 90 jüdische Familien in Forth. 1806 fiel Forth dem Königreich Bayern zu. Von nun an änderten sich die Bedingungen für die Juden in Bayern. 1808 wurden bereits die letzten Schutzgeldzahlungen erhoben, viele andere Abgaben fielen ebenfalls weg. Nun folgte die "Judenemanzipation", die eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Juden zum Ziel hatte. Mit dem Judenedikt von 1813 schuf man dafür eine wichtige Voraussetzung. Doch zunächst mussten sich alle Juden registrieren lassen - und dies mit deutschen Namen. So entstanden die Namen, die uns heute als "typisch jüdisch" geläufig sind.

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[016]
Quelle: Daten und Zeitangaben von Birgit Albersdörfer, "Die Geschichte der Judengemeinden in Ottensoos und Forth", Zulassungsarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen in Bayern im Frühjahr 1991, Erlangen
In der Bibliothek des Jüdischen Museums Fürth-Schnaittach, Nr. 45/1

[017]
Quelle: Magnus Weinberg, "Geschichte der Juden in der Oberpfalz III, Der Bezirk Rothenberg", S. 161 ff, Sülzburg 1909 im Selbstverlag

[018]
Quelle: Homepage der Gemeinde Eckental, Geschichte der Ortsteile
http://www.eckental.de/fileadmin/Eckental/Gallerie/PDF/Geschichte_Forth-B_g.pdf