Die jüdische Gemeinde in Forth

Das kleine Forth gehört heute zur Gemeinde Eckental, unweit von Nürnberg. Obwohl Forth nicht mehr dem Kreis Nürnberger Land zugeordnet ist, spielt es doch eine wichtige Rolle in den jüdischen Gemeinden der sog. Medinath Ashpah - einem Zusammenschluss der Israeliten in Schnaittach, Hüttenbach, Ottensoos und Forth.

Forth hat eine wechselvolle Geschichte und war immer wieder "Zankapfel" verschiedener Herrenhäuser. Der Ortsname selbst leitet sich von "Furt" ab. Diese Furt über die Schwabach verband die aus der Oberpfalz kommende und nach Franken verlaufende Straße zwischen Frohnhof und Igensdorf. In Forth kreuzte diese Straße die Sächsische Straße, die heutige B2. Die Mitte der Straße wurde nach Streitigkeiten die Grenze zwischen dem Herrschaftsbezirk Rothenberg und dem Nürnberger Pflegeamtsbezirk Hilpoltstein [013]. Erst 1806 wurde diese Grenze aufgehoben, als der gesamte Ort an Bayern überging. Untrennbar mit der Ortsgeschichte ist auch die Historie der jüdischen Kultusgemeinde verbunden, die mit der Pogromnacht 1938 endete.

Erster Besitzer von Forth waren die Herren Gotzmann von der Büg (in einigen Quellen auch als "Gottsmann" bezeichnet). Zunächst war Forth nur ein Bauerngut, das dem nahen Rittergut Büg diente. Auch Büg verdankt seinen Namen einer landschaftlichen Begebenheit. Büg steht für "(Fluss-)Biegung". Forth entwickelte sich aber aufgrund der guten Verkehrslage zwischen 1450 und 1500 zum Dorf. Kurz vor seinem Tode im Jahr 1507 ließ Rupprecht von Gotzmann die Kirche der "Heiligen Anna" errichten [014].


Im Jahre 1611 geht die Erbfolge der Gotzmanns über auf die Herren von Bünau. Zu dieser Zeit haben wohl schon Juden im Ort gelebt. Der erste Hinweis auf ihre Existenz ergibt sich aus einem Gemeindebuch von 1671, aus dem hervorgeht, das jeder Jude im Ort ein Kuh zu verpfänden hatte. Danach war es über 100 Jahre still um die jüdische Gemeinde. Erst 1782 machen die Juden wieder ein wenig von sich reden. In einem Dokument wird erwähnt, dass Juden bereits seit 200 Jahren in Forth geduldet wurden [015].

1629 verkauften die Ganerben ihren Herrschaftbezirk an das Kurfürstentum Bayern. So ging auch die hohe Gerichtsbarkeit von den Rothenbergern auf die Bayern über. Die Binaus waren zwar Grundbeseitzer, durften aber nur auf lokaler Ebene Gericht halten. Todesurteile oder andere Leibstrafen wurden grundsätzlich von den Ganerben auf der einen und den Nürnbergern auf der anderen Ortsseite verhängt.

Der Grund für die Erlaubnis zur Ansiedlung von Juden in Forth war, wie in den anderen Orten auch, vornehmlich finanzieller Natur. Die Grundherren erhofften sich durch eine Unmenge von Abgaben und Steuern eine sprudelnde Einnahmequelle für ihr Staatssäckel. Und das nicht zu unrecht: Die Juden trieben Handel, mussten sich mit wenig Grund und Boden sowie einfachen Unterkünften begnügen. Anfangs lebten die Forther Juden wohl mehrheitlich zur Miete, doch dies änderte sich im Laufe der Jahre. Aber die Israeliten hatten zu bezahlen - buchstäblich für jeden Schritt. So unterlag nicht nur der Zuzug, sondern selbst der Wegzug aus Forth einer Abgabe, ebenso die Reise durch die Nürnberger Herrschaftsgebiete.


[ nächste Seite ]

[013]
Quelle: Fritz Schnellbögl in dem Artikel "Ortsgeschichtliche Bilder - Zwischen Dorf und Markt. Zur Entstehungsgeschichte des Ortes Forth" in "Altnürnberger Landschaft", Heft 3, S. 53 ff, Oktober 1958

[014]
Quelle: Homepage der Gemeinde Eckental, Geschichte der Ortsteile
http://www.eckental.de/fileadmin/Eckental/Gallerie/PDF/Geschichte_Forth-B_g.pdf

[015]
Quelle: Birgit Albersdörfer, "Die Geschichte der Judengemeinden in Ottensoos und Forth", Zulassungsarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen in Bayern im Frühjahr 1991, Erlangen
In der Bibliothek des Jüdischen Museums Fürth-Schnaittach, Nr. 45/1