Die jüdische Gemeinde in Behringersdorf

Behringersdorf liegt rund zwei km östlich von Nürnberg-Erlenstegen und gehört zur Gemeinde Schwaig

An einigen Stellen im Internet wird auf eine Synagoge bzw. einen Betsaal in Behringersdorf verwiesen. Trotz intensiver Nachforschung und einer Befragung der älteren Einwohner von Behringersdorf durch Alt-Bürgermeister Fritz Körber konnte jedoch kein Beleg für die Existenz eines solchen Bauwerks nachgewiesen werden. Auch Stadtarchiv und Bauamt der Gemeinde Schwaig verfügen über keinerlei Unterlagen oder schriftliche Zeugnisse hinsichtlich einer Synagoge bzw. eines Betsaals. So hat sich auch das große Portal "Alemannia Judaica" entschieden, Behringersdorf nicht mehr in der Liste der Synagogen-Standorte zu führen.

Eine jüdische Gemeinde hat nach Angaben von I. Schwierz bis Juli 1932 existiert [004]. Nach Zeitzeugen-Berichten und einem Meldeschein der Gemeinde waren nur einige wenige jüdische Bürger dort ansässig [005]. Ob es daher im Ort tatsächlich eine Synagoge oder einen Betsaal gab, muss leider offen bleiben, ist aber eher unwahrscheinlich. Aus mündlichen Informationen kirchlicher Kreise geht jedoch hervor, dass die Behringersdorfer Juden stets in die Synagoge nach Schnaittach zum Gottesdienst gingen.

Am 22. Juli 1933 schickte die Regierung von Oberfranken und Mittelfranken in Ansbach eine Mitteilung [006] an sämtliche Gemeindebehörden. In dem Schreiben wird darüber informiert, dass die IKG Nürnberg die Erweiterung ihres Gebietes u.a. auch auf die Gemeinde Behringersdorf beantragt bzw. durchgeführt hat - dies steht etwas im Widerspruch zu Schwierz´ Angaben, dass sich die Gemeinde 1932 aufgelöst hat.


Die bekannteste jüdische Familie in Behringersdorf war die von Konsul Reizenstein (auch: Reitzenstein). Die Reizensteins selbst hatten ihr Domizil in der Laufer Straße 1. Nach heftigen Anfeindungen durch die Nationalsozialisten entschied sich die Familie zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten.

Die Reizensteins durchlitten eine Reihe von Demütigungen und Anschuldigungen. So berichtete die "Fränkische Tageszeitung" am 28. September 1933 [007] :

"Randbemerkungen

In Behringersdorf lebte der Konsul Reizenstein. Er war der Bruder des Hopfenjuden Reizenstein in Nürnberg, also auch ein Jude.
Konsuljude Reizenstein hatte eine Nichtjüdin zur Frau. Aus dieser Ehe ging ein Mädchen hervor, das also neben dem deutschen Blutsteil der Mutter auch den jüdischen Teil vom Vater erhielt. Diese Frau ist damit ein Judenbastard. Heiratet sie einen Deutschen, denn erhalten die Kinder auch von dem in ihren Adern befindlichen Judenblut ihren Anteil. Diese Kinder sind dann wiederum Judenbastarde.
Nun erfahren wir, dass der Direktor eines großen Lichtspieltheaters die judenblütige Tochter des Juden Reizenstein heiraten will. Tut der dies, dann stellt er sich damit außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft und hat die daraus sich ergebenden Folgen zu verantworten."



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[004]
Quelle: I. Schwierz, "Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern", S. 147, 1. Auflage 1988, Bayer. Landeszentral f. pol. Bildung, München

[005]
Quelle: Archiv der Gemeinde Schwaig. Dabei handelt es sich um einen Meldeschein, der den Namen der Familie Reizenstein trägt.

[006]
Quelle: Archiv der Gemeinde Schwaig. Abruck eines Schreibens an die Gemeinde Behringersdorf.

[007]
Quelle: Fränkische Tageszeitung vom 28. September 1933, Nürnberg. Kopie im Archiv der Gemeinde Schwaig.